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Nachhaltigkeit8. April 2026 · 7 Min. Lesezeit

Energieaudit & EMAS: Wie wir Energieeffizienz in der Kunststoffproduktion vorbereiten

Thermische Prozesse im Rotationsguss – Energieeffizienz bei Geratec

Energie ist in der Kunststoffverarbeitung ein zentraler Kostenfaktor – und zugleich einer der größten Hebel für mehr Nachhaltigkeit. Im Rotationsverfahren und Rotationssintern werden Werkzeuge und Material kontrolliert erhitzt und wieder abgekühlt; thermische Prozesse stehen also im Zentrum unserer Fertigung. Genau deshalb bereiten wir uns systematisch auf ein Energieaudit im Rahmen von EMAS vor – und nehmen das Thema Energieeffizienz selbst in die Hand.

In diesem Beitrag erklären wir kurz und verständlich, was ein Energieaudit und EMAS eigentlich sind, warum beides für ein Industrieunternehmen wichtig ist und wie der Ablauf in der Praxis aussieht.

Was ist ein Energieaudit?

Ein Energieaudit ist eine systematische Analyse, wie und wo in einem Unternehmen Energie eingesetzt und verbraucht wird. Ziel ist es, Energieflüsse transparent zu machen, Einsparpotenziale zu identifizieren und konkrete Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz abzuleiten.

In Deutschland ist das Verfahren in der Norm DIN EN 16247-1 geregelt, die im November 2022 neu gefasst wurde. Ein qualifizierter, beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) registrierter Auditor erfasst dabei den Ist-Zustand des Verbrauchs, bewertet die wesentlichen Verbraucher und schlägt wirtschaftlich sinnvolle Effizienzmaßnahmen vor.

Wichtig: Ein Energieaudit nach DIN EN 16247-1 ist nicht dasselbe wie das Audit eines Energiemanagementsystems nach ISO 50001 – das Energieaudit ist die punktuelle Bestandsaufnahme, das Managementsystem der kontinuierliche Prozess dahinter.

Was ist EMAS – und wie hängt es mit dem Energieaudit zusammen?

EMAS steht für Eco-Management and Audit Scheme und ist das freiwillige Umweltmanagementsystem der Europäischen Union. Es gilt als eines der anspruchsvollsten Systeme für nachhaltiges Wirtschaften, deckt alle Anforderungen der ISO 14001 ab und geht in wesentlichen Punkten darüber hinaus.

Charakteristisch für EMAS ist:

  • eine umfassende Umweltprüfung des Ist-Zustands,
  • die nachgewiesene kontinuierliche Verbesserung der Umweltleistung,
  • die aktive Prüfung der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften durch einen staatlich zugelassenen, unabhängigen Umweltgutachter,
  • sowie eine validierte, öffentlich zugängliche Umwelterklärung mit konkreten Kennzahlen zu Energie, Abfall und Emissionen.

Der Energieverbrauch ist dabei einer der wichtigsten Aspekte. Das Energiemanagement lässt sich deshalb sehr gut als Teil eines umfassenden Umweltmanagements nach EMAS verstehen – das Energieaudit liefert die Datenbasis, EMAS sorgt für den dauerhaften Rahmen und die Transparenz nach außen.

Warum ist das wichtig? Pflichten nach EnEfG und EDL-G

Seit dem 18.11.2023 verschärft das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) die Anforderungen an das betriebliche Energiemanagement. Die Einstufung orientiert sich dabei am durchschnittlichen Gesamtenergieverbrauch der letzten Jahre:

  • Ab 7,5 GWh pro Jahr sind Unternehmen verpflichtet, ein Energie- oder Umweltmanagementsystem nach ISO 50001 oder EMAS einzuführen – in der Regel innerhalb von 20 Monaten.
  • Zwischen 2,5 und 7,5 GWh pro Jahr ist mindestens ein Energieaudit nach DIN EN 16247 durchzuführen.
  • Ab 2,5 GWh müssen zudem wirtschaftliche Einsparmaßnahmen in von externen Experten geprüften Umsetzungsplänen dokumentiert werden.

Ergänzend verpflichtet das Energiedienstleistungsgesetz (EDL-G) alle Unternehmen, die keine kleinen oder mittleren Unternehmen (KMU) sind und über kein Energiemanagementsystem verfügen, alle vier Jahre zu einem Energieaudit. Wer ein System nach ISO 50001 oder EMAS betreibt, ist von der reinen Auditpflicht befreit. Verstöße gegen die Pflichten sind bußgeldbewehrt – und es bestehen Melde- und Nachweispflichten gegenüber der BAFA.

Für ein produzierendes Unternehmen wie Geratec bedeutet das: Wer Energie ohnehin in nennenswertem Umfang einsetzt, fährt deutlich besser, das Thema strategisch zu steuern, statt nur Vorgaben abzuarbeiten. Ein gutes Energieaudit deckt regelmäßig Einsparpotenziale auf, die sich direkt in niedrigeren Betriebskosten niederschlagen.

Wie läuft ein Energieaudit ab?

Ein Energieaudit folgt einem klar strukturierten Ablauf. Vereinfacht lässt er sich in fünf Phasen gliedern:

  1. Auftakt und Datenerhebung: Verbrauchsdaten für Strom, Wärme, Brennstoffe und – wo relevant – mobile Verbräuche wie den Fuhrpark werden zusammengetragen.
  2. Messung und Bestandsaufnahme: Die wesentlichen Energieverbraucher (Anlagen, Heizung, Druckluft, Beleuchtung) werden vor Ort erfasst und ausgewertet.
  3. Analyse: Energieflüsse werden bewertet, Lastgänge betrachtet und Einsparpotenziale identifiziert.
  4. Maßnahmen und Bericht: Wirtschaftlich sinnvolle Effizienzmaßnahmen werden priorisiert und in einem Auditbericht dokumentiert.
  5. Umsetzung und Nachverfolgung: Die Maßnahmen werden umgesetzt und ihre Wirkung kontrolliert – im EMAS-Kontext fließt das in die kontinuierliche Verbesserung ein.

Eine saubere Vorbereitung – also vollständige, gut strukturierte Verbrauchsdaten und ein klares Bild der eigenen Anlagen – verkürzt das Audit erheblich und macht die Ergebnisse belastbarer.

Unser Ansatz: Energieeffizienz als Teil unseres Selbstverständnisses

Nachhaltigkeit ist bei uns kein Anhängsel, sondern Teil unseres Leitbilds. Wir setzen auf 100 % recycelbare PE-Produkte und arbeiten kostenbewusst und umweltschonend. Die Vorbereitung auf ein Energieaudit im EMAS-Rahmen ist für uns der konsequente nächste Schritt: Wir messen, bewerten und optimieren unsere thermischen Prozesse im Rotationsguss – damit unsere Fertigung effizienter, transparenter und zukunftssicher bleibt.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Die konkreten Pflichten hängen vom individuellen Energieverbrauch und Unternehmensstatus ab.